Anforderunganalyse für LL-Plattformen
Allgemeines
In einem weiten Sinn verstanden sollte eine LL-Plattform eine ganze Reihe unterschiedlicher Bereiche unterstützen:
- Administration der Stammdaten der Studierenden, möglichst in Kopplung mit den Stammdaten der Universitätsverwaltung
- Unterstützung der LehrmittelautorInnen bei der Erstellung der Lehrmittel
- Unterstützung des virtuellen Lehrbetriebs
- Unterstützung der Tutoren bei Gestaltung, Verteilung und Auswertung von Übungsaufgaben
- Unterstützung der Studierenden bei der Einzel- und vor allem der Gruppenarbeit
In einem engeren Sinn, wie wir hier LL-Plattform auffassen wollen, spielt der erste Punkt keine Rolle: wir wollen und brauchen kein uniweites System. Der zweite Punkt ist relevant, kann aber aus- bzw. vorgelagert werden. Zentral sind die Punkte 3-5.
Die folgende Darstellung fasst die Erhebung, die P.S. Bayerl bei den Teilprojekten gemacht hat, zusammen. Die von ihr genannten Punkte sind in diesem Memo aber nach Funktionalitäten geordnet.
Unterstützung der AutorInnen
- Die Erstellung von Lehrmaterialien soll im Projekt durch eine projekteigene DTD gesteuert werden. Diese definiert den Dokumenttyp Lehrmodul, das Inhaltsmodell und die Metadaten. Daraus folgt, dass eine LL-Plattform: a) eine beliebige DTD akzeptieren, b) Dokumente, die mit dieser DTD konform sind, akzeptieren und c) die Daten dieser Dokumente darstellen muss. Letzteres heißt beim Stand der Browsertechnik: auf HTML "runterkochen"
- Ähnliches gilt für die "Anhänge" des Typs: Bibliographie, Glossar, evtl. Thesaurus, die zentral gepflegt werden sollten (eigene DTDs hierfür).
- Besondere Aufmerksamkeit gebührt dabei: a) der Darstellung / Bewahrung von Whitespace (z.B. für die Darstellung von Programmfragmenten); der Umwandlung /Darstellung von besonderen Zeichensätzen: IPA-Zeichen und mathematische Sonderzeichen.
- Mindestens die Darstellung von PDF-Dokumenten sollte unterstützt werden (also nicht nur Archivierung und Dowload)
- Zu der Beschreibung von Lehrmodulen gehört deren dynamische Sequenzierung, d.h. deren Verkettung in verschiedene Sequenzen abhängig vom Lernertyp. Die Darstellung der Sequenzen gehört in die Metadaten. Dieses Konzept muss aber in der LL-Plattform umgesetzt werden (parametergesteuerte Auswahl der Modulsequenz)
- Die LL-Plattform sollte, wiederum in Abhängigkeit von der Sequenzierung, eine "Karte" der Lehrmodule darstellen, und zwar unabhängig von den Lehrmodulen selber (will heißen: nicht als Inhaltsverzeichnis auf die erste Seite des Textes)
- Ebenfalls in den Metadaten sollten mehrere Autorenrollen spezfiziert werden können: AutorInnen, Ko-AutorInnen, MediadesignerInnen, TutorInnen, BetreuerInnen des Lehrmaterials [falls die Originalautoren die Aufgabe nicht (mehr) wahrnehmen]. Pro Beteiligter Person sollten mehrere Adressen angebbar sein, eine sollte als bevorzugte Korrespondenzadresse auszuweisen sein.
- Es sollten in den Metadaten möglich sein, Halter von Drittrechten auszuweisen, mit Namen und Objekt(en), auf die sich die Rechte beziehen
- In den Metadaten sollte die für das Lehrmodul vorzusehende Zeit zu spezifizieren sein. Das sollte angezeigt werden.
- Aus den Anhängen heraus sollten Rückverweise auf die Lehrmodule möglich sein (Anforderung an die DTD für die Anhänge)
- Innerhalb der LL-Plattform sollte ein einfacher zeichenkettenbasierter Editor vorhanden sein, damit AutorInnen kleinere Fehler korrigieren können, ohne die Lehreinheit neu importieren zu müssen.
Unterstützung der AutorInnen - Datentypen
- Audiodateien sollten in allen gängigen Browsern das gleiche Verhalten zeigen (wobei hier m.E. zu fragen ist, ob man nicht auch mehrere Versionen, abhängig von Betriebssystem und Browser des jeweiligen Benutzers, vorhalten kann)
- Der Inhalt von PDF-Dateien sollte darstellbar sein (per Plugin?)
Unterstützung des virtuellen Lehrbetriebs - Übungen
Für die Gestaltung, die Durchführung und die Auswertung von Übungen sind die folgenden Informationen notwendig. Diese müssen innerhalb der LL-Plattform in die entsprechende Ablauflogik umgesetzt werden.
- Ist der Test ein Vortest oder ein gewerteter Test? Ersterer darf beliebig oft durchgeführt werden, letzterer nur einmal. Die Ergebnisse gewerteter Tests müssen abgespeichert werden.
- Bei MC-Tests müssen die Fragen per Zufallsgenerator ausgewählt und präsentiert werden können.
- Die Ergebnisse aller gewerteten Test müssen zusammengeführt und dem / der Studierenden als Übersicht über seinen / ihren bisherigen Lernerfolg präsentiert wrden.
- Einzelne Fragen oder ganze Tests müssen gewichtet werden können. Dies ist vor allem wichtig bei Tests mit offenen Textfragen.
- Zu den Testfragen sollte, abhängig von der Antwort des Lerners und seiner / ihrer Antwort, ein Feedback gegeben werden können. Dies ist vor allem für die nicht gewerteten Tests wichtig.
Unterstützung des virtuellen Lehrbetriebs - Benutzermodell
Wir haben oben gesagt, dass die Steuerung des Kursverlaufs dynamisch sein und an ein Benutzermodell geknüpft sein sollte. Das Benutzermodell kann entweder über einen obligatorisch auszufüllenden Fragebogen ermittelt werden oder als Ergebnis einer Selbsteinschätzung. Auf jeden Fall sollte das Modell während des Kurses änderbar sein.
In MiLCA wollen wir die erste Vorgehensweise ausprobieren. Die LL-Plattform sollte es deshalb erlauben, den Fragebogen mit der Prozedur der Registrierung zu verbinden und es sollte die Generierung des sich aus den Angaben ergebenden Benutzermodells unterstützen.
Unterstützung der Studierenden - Information
Notwendige Informationen
- Verfügbare und momentan "gebuchte" Kurse
- Anzeige des LErnverlaufs (besuchte Seiten, durchgeführte Übungen, bei den nicht-gewerteten mit Häufigkeit)
- abonnierte Foren
- Übersicht über den Lernerfolg (Auswertung der gewerteten Kurse)
- Übersicht über alle Lernenden
- Übersicht über TeilnehmerInnen eines bestimmten Kurses
- Ansprechpartner (DozentInnen, TurorInnen) eines bestimmten Kurses
Es sollte generell möglich sein, kursspezifische Hilfeseiten zu erstellen und den Zugang darauf vom persönlichen Schreibtisch des / der Studierenden aus zu ermöglichen.
Die Studierenden sollten sich seitenbezogen Notizen machen können.
Die Studierenden sollten die Lehreinheiten am Bildschirm lesen und ausdrucken können.
Die Studierenden sollten in den Lehrmaterialien suchen können.
Unterstützung der Studierenden - Kooperation / Gruppenarbeit
- Arbeitsbereich für den Dokumentenaustausch (mit upload und download, Versionsverwaltung wäre schön)
- elektronischer Briefkasten für die Abgabe von Übungsergebnissen (bei Textübungen)
- elektronischer Briefkasten für die Lösungen / das Feedback
- Chattool für Seminare, für Studierende-TutorIn-Interaktion und für Gruppengespräche